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Toni – 2011 – 2021 – Nachruf für einen mutigen Kater

 Toni 2011 – 2021 – Abschied von einem mutigen Kater

Ich kann es noch immer nicht glauben. Es ist eine Woche her, am Dienstag den 06.07.21 musste ich Toni über die Regenbogenbrücke gehen lassen. Wir haben ihn den größten Teil seines Lebens begleitet. Seit 2014 gehörte er zu unserem Rudel. Sein Leben war abenteuerlich und steinig. Toni war trotz seiner Behinderung lebensfroh und hat diese mit Würde getragen. Er war ein besonderer Kater, mit seinem Charme und seinem Lebenswillen hat er alle, die ihn kannten, für sich eingenommen.

Toni wurde 2011 in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) geboren. Er hatte zwei Geschwisterchen, die er sehr geliebt hat und unter der Trennung von ihnen er sehr gelitten hat. In einer Pflegestelle wartete er mit seinen Geschwistern auf seine Reise in ein neues Zuhause in Deutschland. Es muss wohl Schicksal gewesen sein, dass er in seiner Pflegestelle, als sich die Gelegenheit bot, ausbüxte. Er wurde von einem Auto erfasst und schwer verletzt. Sein Becken muss zertrümmert gewesen sein. Man hat ihn im 150 km entfernten Dubai operiert. Sein rechtes Bein hinten wurde nicht operiert, das linke an die Wirbelsäule genagelt. Er sollte psychisch bedingt inkontinent sein, es hieß, es würde sich mit der Zeit geben.

Toni wurde von zwei sich im Tierschutz engagierenden, deutschen Piloten nach Deutschland überführt. Dort musste er sich erneut einer schweren Operation unterziehen, ihm wurde das rechte Bein amputiert, da es nutzlos herunterhing und durch das über den Boden schleifen, blutig war.

Die Familie, die seine Geschwisterchen adoptiert hatten, wollten Toni nicht mehr. Er war für ein Jahr anderweitig vermittelt und kam zurück. Die beiden Piloten, die Toni Zeit seines Lebens verbunden blieben, hätten ihn gerne in ihre Familie aufgenommen, doch die Schwere seiner Behinderung, machte dies nicht möglich, denn Toni musste rund um die Uhr betreut werden. Er kam ins Tierheim nach Darmstadt und war dort unglücklich. Manuela vom Gnadenhof Erzbach sah ihn und nahm sich seiner an. Toni war wohl zum ersten Mal seit langer Zeit wieder glücklich. Aber bei der Vielzahl der Tiere, die dort lebten, war es schwierig, auf die Bedürfnisse von Toni einzugehen. Ich lernte Manuela beim Tierarzt kennen. Durch die TSI wusste sie, dass ich bereits Katzen mit einer ähnlichen Behinderung bis zum Tod betreut habe. Leila, die bei Ihren Besitzern vom Dach im 4.Stock fiel und Clara die als Katzenbaby auf einem Reiterhof von einem Hund gebissen wurde. Sie bat mich, Toni doch einmal zu besuchen. Eigentlich wollte ich keine derart schwer verletzten Tiere mehr aufnehmen. Sie wurden nicht so alt und es tat sehr weh, sie zu verlieren, da man sich besonders um sie bemühte. Aber ich sah ihn und er ließ mich nicht mehr los. Mein Mann war auch bereit, Toni aufzunehmen. Unsere Wohnsituation erlaubte es, Toni ca. 60 m² Innenraum zur Verfügung zu stellen. Eine Verbindungstür zu uns erlaubte Hör- und Sichtkontakt. Ich hatte bereits ca. 20 Katzen, die mit uns lebten oder die ich draußen betreute und fütterte. Tonis Fanclub (ja, Toni hatte einen Fanclub), hat ihm die Räume renoviert und ausgestattet. Mit weiteren Spenden wurde ihm ein 70 m² großes Freigehege gebaut. Als er das erste Mal ins Freie ging, diesen Moment werde ich nie vergessen. Staunend, neugierig und mutig erkundete er sein neues zu Hause. Siri war damals die Organisatorin, sie und viele andere nahmen, wenn auch aus der Ferne, weiter an seinem Leben Teil. Der Anfang war nicht einfach, denn Toni, von Menschen enttäuscht, war misstrauisch. Er hat auch mal zugebissen. Aber das hat sich schnell gelegt.

Er musste immer wieder zum Tierarzt, Blasenentzündungen und Durchfall begleiteten sein ganzes Leben. 2017 hatte er einen Penis-Verschluss. Er wurde in Wiesloch erfolgreich operiert. Sein Penis amputiert und seine Blase nach außen gelegt. 2019 hat er eine Herzentzündung. Er wurde diesmal in Gießen in der Tierklinik (Kardiologie) behandelt. Jedes Mal ging es um Leben und Tod. Doch er hat all dies gemeistert. Zwischendrin hatte er eine schöne Zeit. Er wollte leben!

Im April 2021 hatte er zweimal Verstopfungen. Es ging kein Kot mehr ab. Er musste in Narkose gelegt werden und bekam einen Einlauf. Anfang Mai setzte er Kot ab, nicht größer als eine Makkaroni. Sein Darmausgang wurde geweitet, das zweite Mal Anfang Juni.

Am Sonntag den 27.07.2021, wir waren im Garten, sah ich eine kleine Wunde am Schwanzansatz. Es trat Eiter aus. Am Montagabend waren wir beim Tierarzt. Es wurde eine Eiterprobe genommen und eingeschickt. Toni bekam ein Langzeitantibiotikum. Am Freitag sollten wir wiederkommen. Bis dahin wäre das Ergebnis vom Abstrich da. Am Freitag waren wir wieder dort. Ich musste ihn dort lassen und sollte in einer Stunde wiederkommen. Er wurde in Narkose gelegt. Meine Tierärztin rief mich im Auto an und sagte, sie möchte mich sprechen. Die Eiterprobe ergab, dass Darmbakterien sich in der Wunde befanden. Der Darm war perforiert. Ein Draht von seiner Wirbelsäulen-OP, hatte sich gelöst und war gewandert. Er hat den Darm verletzt und ist am Schwanzansatz ausgetreten. Sie wollte Toni einschläfern. Ich konnte und wollte das nicht. Toni bekam für 14 Tage ein Langzeitantibiotikum und Schmerzmittel. Ich habe die TSI informiert und um die Kostenübernahme für die Tierklinik Wiesloch gebeten. Frau Doktor Hagen schickte mir per E-Mail die Befunde zu. Nachdem ich am Sonntag alles zusammen hatte, wollte ich in Tierklinik fahren. Doch ein Notfall ist, wenn ein Tier unter Atemnot leidet oder bei einem Unfall schwer verletzt wurde. Tonis Augen waren klar, er fraß, ich wollte nicht wahrhaben, wie schwer seine Verletzungen wirklich sind. Am Montag früh bin ich ohne Termin nach Wiesloch gefahren. Toni wurde stationär aufgenommen, es sollte eine Koloskopie gemacht werden. Am Dienstag, nach Rücksprache mit meinem Chef, konnte ich einen weiteren Tag Urlaub nehmen und fuhr wieder ohne Termin nach Wiesloch.

Ich bat darum, Toni noch einmal sehen zu dürfen, um mich von ihm verabschieden zu können. Ich habe mit Toni fast eine Stunde geschmust. Er war ruhig und gefasst und hat geschnurrt. Um 10.00 Uhr war die Koloskopie angesetzt, ich habe wieder im Auto gewartet. Um 11.30 Uhr die Nachricht, sie würden nicht mehr operieren. Tonis Bindegewebe war zu brüchig. Es bestand die Möglichkeit, dass die Haut reißt und Darmbakterien in den Bauchraum gelangen und eine Blutvergiftung verursachen. Einiges an Darmgewebe war bereits abgestorben. Dann war da noch der verengte Darmausgang. Schlechte Wundheilung. Toni hätte unendlich gelitten. Ich wollte ihn mit nach Hause nehmen und dort gehen lassen. Die Ärztin meinte, ob ich ihm das wirklich zumuten wolle. Nochmal eine Narkose.

Da habe ich ihn gehen lassen. Um 11.30 Uhr fing es an zu schütten. Es war, als ob der Himmel weinte. Ich habe meinen Mann, Angelika und Michael, Manuela, Siri und Gisela informiert. Siri hat es an Tonis Fanclub und Freunde weitergegeben. Die Anteilnahme war groß. Dass so viele  Menschen von Toni und seinem Schicksal berührt waren, hat mir Trost gegeben. Ich habe ihn mit nach Hause genommen. Am Abend war ein Regenbogen zu sehen. Manuela, Angelika und Michael haben mir per Whats-App ein Bild dieses Regenbogens gesendet. Der Gedanke, dass Tonis Seele von seinem kranken Körper befreit, über diese Regenbogenbrücke ging, finde ich sehr schön.

Ich bin unendlich traurig. Wir werden Dich nie vergessen. Du hast unser Leben bereichert. Es hat eine Woche gedauert, bis ich Tonis Reich für unsere anderen Katzen freigeben konnte. Selbst jetzt fühle ich mich dabei noch, als ob ich Toni verraten würde. Toni Du hast einen Teil meines Herzens mit Dir genommen. Ohne dich fehlt einfach etwas.

In Liebe
Simone Friedrich, Winterkasten