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Kater Brunos Sprung in die Freiheit

 

Kater Bruno – Endlich – Sprung in die Freiheit

Wir versorgen seit 1993 freilebende Katzen unter unserem Vordach. Die ersten haben wir zu uns herübergezogen, da sie in Gefahr waren, vergiftet zu werden. Manche siedelten sich selbst hier an, manche haben wir hier ausgewildert. Katzen, die wir hier auswildern, müssen eine zeitlang festgesetzt werden, um das Rundherum – Geräusche, andere Tiere/Artgenossen und vieles mehr – kennenzulernen. Mein Mann Jürgen hat 1994 ein Katzenhaus gebaut, welches sich leicht zu einem Auswilderungskäfig umbauen lässt. Auch kommen viele Gastfresser.

Dabei ist auch ein wunderschöner, zurückhaltender und sehr scheuer, großer, breiter Kater mit einem verkrumpelten linken Ohr. Mein „Krumbele“ oder jetzt Bruno-Kater. Wie viele Jahre er schon mehr oder weniger Gastfresser hier ist, wissen wir nicht. Erst kommen sie nur manch­mal, dann immer öfter, dann fast täglich … und manche siedeln sich dann hier an, oder man sieht sie nie wieder.

Es muss einen Kampf zwischen Bruno und vermutlich einem anderen Kater gegeben haben. Am 21.12.2020 sah ich bei ihm etwas Langes, Dünnes an der linken Halsseite hängen, und ein Stück Fell an der Backe schien zu fehlen.

Ich versuchte, den Kater zu fangen. Alle Versuche schlugen fehl. In die geliehene Katzenfalle gingen alle Katzen/Kater hinein, manche sogar zweimal, aber nicht Kater Bruno. Eine Katzenexpertin der TSI gab Ratschläge, aber all dies half nicht, Bruno zu fangen.

Die Wunde wurde immer größer, es lösten sich richtige Haut- und Gewebeplatten ab, und die Wunde wanderte Richtung Nacken. Die Wunde war extrem schlimm. Die sich ablösenden Haut- und Gewebeflächen, die wie Taschen an ihm hingen, waren sichtbar voller Eiter und Blut, der schon raus floss.

Endlich, am 6.4.2021, also bald 4 Monate nach der sichtbaren Verwundung, gelang es mir, ihn zu fangen. Dies aber wahrscheinlich nur, da er von den Schmerzen und Qualen völlig erschöpft gewesen sein muss. Mit all seinen restlichen Kräften wehrte er sich gegen mich, zerkratzte und zerbiss meine rechte Hand, so dass ich sogar selbst noch zum Arzt musste. Trotzdem gelang es mir, ihn in den Transportkorb zu bekommen. Wir konnten dann gleich mit ihm zum Tierarzt.

Die Wunde sah extrem schlimm aus und ich fürchtete, dass sie nicht mehr behandelbar war, hatte Angst davor, dass der Tierarzt Hilfe nur noch im Einschläfern sah.

Gott sei Dank täuschte ich mich. Dr. Michel sah sich den betäubten Kater an – ohne Betäubung war er gar nicht zu behandeln – und leistete wirklich großartige Hilfe.

Ich hatte auch eine Tierkommunikatorin um Hilfe gebeten, und diese gab auch den guten Rat für Globuli und Bachblüten-Tropfen. Unser Sorgenkind legte seine Scheu auch nicht im Gästezimmer ab. Eine Behandlung, z.B. mit Manuka-Spray war nicht möglich, er selbst verhinderte die Heilung.

Es war auch ein großes Problem, ihn vor dem jeweiligem Tierarzttermin zu fangen. Es grenzt heute noch an Wunder, dass dies gelang. Dr. Michel konnte ihn nur unter Narkose behan­deln und dadurch natürlich besser helfen.

Bruno lebte nun ab dem 6.4.2021 in unserem Gästezimmer (dieses hat inzwischen mehr Vierbeiner als Zweibeiner erlebt). Ich schlief bei dem Katerchen, aber trotzdem war er natürlich viel zu viel alleine und verkroch sich. Streicheln kann man ihn nicht und möglichst auch nicht zu nahekommen.

Als wir Bruno wieder mit viel Mühe einfingen und zum Tierarzt brachten, hat er nur noch knapp 4kg gewogen. Beim zweiten Mal hatte er ca. 500 g zugenommen und letztlich hat er knapp 7 kg gewogen.

Allerdings dauerte die Behandlung sehr, sehr lange, da Kater Bruno viel zu oft selbst seiner Freiheit im Wege stand. Immer wieder kratzte er sich die heilende Wunde auf. Diese war inzwischen kleiner geworden, aber kaum schien sie trocken, also unblutig zu sein, wurde sie wieder aufgekratzt.

Endlich, nach fast ebenfalls 4 Monaten dauernder Heilung und Aufenthalt im Gästezimmer und dem letzten Tierarztbesuch, konnte er wieder in seine Freiheit springen.

Fast vier Monate, solange wie seine Schmerzen und Qualen durch diese grauenvolle Wunde dauerten, so lange dauerte auch seine Genesung und seine Ängste in unserem Gästezimmer. Acht Monate seines Lebens – bald hätte er diese in Folge dieser sich so extrem entwickelten Wunde nicht überlebt.

Einige Stunden nach dem letzten Tierarzttermin am 3.8.2021 saß Kater Bruno in der Falle mit endversorgter und durch Silberspray geschützter Wunde auf unserem Vorplatz, damit er sich orientieren konnte, wohin er in die Freiheit springt.

17.15 Uhr war es dann so weit. Kaum war die Falle auf, sprang er unter den ersten Busch und blieb erstmal verschwunden.

Nach endloser Zeit tauchte Bruno wieder an der Futterstelle auf. Wir waren überglücklich, vor allem schien es, dass sich die Wunde nicht verschlimmert hatte!!

Ein ganz großes Dankeschön möchte ich Dr. Michel und seinem Praxisteam aussprechen, vor allem auch, dass Dr. Michel von Anfang an diesem sehr schwer verletzten Kater eine Chance gab und nichts von Einschläfern sagte.

Ein ebenfalls ganz großes Dankeschön geht an die Tierschutzinitiative Odenwald e.V. Diese übernahm die Tierarztkosten für Kater Bruno. (Wir hätten dies derzeit nicht zusätzlich tragen können.)

Bruno bedankt sich bei allen, die ihm halfen, wieder gesund zu werden.

Martina und Jürgen Gerlach, Unter-Schönmattenwag