Zum Inhalt springen
Tierschutzinitiative ohne Grenzen e.V.

Flugpate einmal anders… – der Bericht einer lieben Kollegin

Am 24.06.2020 kam ich um ca. 19.15 Uhr bei Brigitte auf Kreta an, welche unseren Partnerverein APAL leitet. In ihrer Wohnung standen 2 Hundekörbchen. In einem war unsere Omi Kira und in dem anderen Bubi, der den Hinterlauf amputiert hat. Bubi hat vorher bei einer Familie an der Kette gelebt. Lt. Aussage der Familie hat sich Bubi in der Kette verwickelt und zog sich eine schwere Verletzung zu. Da die Familie nicht zu einem Tierarzt gehen wollte, schnitten sie dem armen Kerl das Bein einfach ab. Wie ihr euch denken könnt, hat sich die Wunde natürlich mega infiziert, ganz abgesehen davon, dass der arme Kerl irre Schmerzen hatte. Bubi wurde von jungen Leuten gebracht, die die Aktion mitbekommen haben und uns kontaktiert haben.

Sie haben ihn zum Tierarzt gefahren und danach auch zum grossen OP-Termin – sprich Amputation. Die Wunde war aufs äußerste infiziert und der Knochen ragte heraus. Die Fellnase hatte Wundbrand, welcher immer noch behandelt wird. Die Wunde verheilt so langsam. Bubi kommt gut auf 3 Beinen zurecht, hat aber natürlich Angst vor fremden Menschen. Kein Wunder, nachdem was er alles erleben musste.
Als ich mich seinem Körbchen näherte um mich an den Tisch zu setzen, verbellte er mich und knurrte mich an. Hab ihm das aber nicht krumm genommen, nachdem ich seine Geschichte kannte.

Etwas später sind wir noch etwas Essen gegangen und als wir wiederkamen, stand ein kleiner Karton, mit einem etwa 6 Wochen alten Kätzchen vor der Tür. Liebe Menschen haben ihn gebracht. Der Kleine war etwas apathisch, wahrscheinlich Hunger und Durst. Brigitte versorgte ihn erstmal mit dem Nötigsten und er bezog erstmal eine große Box.

25.06.2020:
Wir trafen uns um 7 Uhr bei Brigitte. Nach einer Tasse Kaffee fütterten wir alle Hunde und dann ging es für mich mit Kira und Bubi den Berg hinauf zum Gassi. Bubi, das Dreibein, hielt gut mit, ebenso die 15-jährige Kira.
Wieder zurück, die Hunde ihrem Körbchen übergeben, ging es wieder den Berg rauf. Diesmal mit Talula und Roxy, zwei Kraftpakete. In der Zeit gingen auch Tamara und Guy mit den anderen Hunden Gassi. Als wir zurückkamen gab es Frühstück für uns. Danach fuhr ich mit Guy zu einer, etwas entfernten Pflegestelle. Bei Eleftheria holten wir den kleinen Kirpa ab und Sam, die wir mit zurück nach Deutschland nahmen. Da beide Hunde dringend ein Bad brauchten, haben wir mit Kirpa angefangen. Natürlich fand er es nicht so spannend, hat die Beauty-Behandlung aber mit Fassung getragen. Als er sauber war brachten wir ihn zum Pen, indem zur Zeit Sandy, Zorbas und Manolito „wohnen“. Der Kleine wurde freudig aufgenommen.
Dann wurde das „Riesenbaby“ Sam gebadet, er schien es sichtlich zu geniessen. In dieser Zeit hatte er sich schon etwas mit Ari angefreundet, der uns angeleint zugeschaut hat. Nach dem SPA gingen Guy und ich mit Sam und Ari nochmal den Berg hinauf. Die beiden Fellnasen fanden sich sehr sympathisch und spielten während des Spaziergangs. Für uns hieß das, alles Paletti, die beiden können zusammen in einem Pen untergebracht werden bis zur Ausreise am Sonntag.
Während wir eine kurze Kaffepause machten, erhielt Brigitte einen Anruf. Sie war morgens unterwegs, um eine Katzenfalle aufzustellen und nun riefen die Leute an und teilten uns mit, dass die Katze in der Box saß. Guy fuhr hin und holte die Katze ab. Sie hatte eine Wunde am Hals, die behandelt werden musste. Das kleine Katerchen von gestern mußten wir auch baden. Er war dermaßen eingekotet und überhaupt dreckig, dass sich ein Bad leider nicht vermeiden ließ. Wir vermuten, dass er Würmer hat, sein kleines Bäuchlein war richtig prall. Also, die kleine Pelzkugel entwurmt. Noch eine Zecke entfernt und dann gings für den kleinen Kerl erstmal wieder in seine warme Box. Mittlerweile 14 Uhr machten wir auch erstmal Pause…
Um 16 Uhr treffen wir uns wieder an Brigittes Haus.
Erstmal Hunde gefüttert dann wieder den Berg rauf zum Gassi, erst mit Omi Kira und dem Dreibein Bubi, nochmal mit Talula und Roxy und ein 3. Mal mit dem Powerpaket Sam. Danach war ich im Schweiß gebadet und reif für ein Sauerstoffzelt!
Kurz einen Kaffee inhaliert und dann fuhren Brigitte und ich zu einem Stall, indem 2 kleine Babykätzchen leben, die entwurmt werden mußten. Brigitte hatte gekochtes Hühnchen mit, um den beiden Kleinen die bittere Pille schmackhafter zu machen. Nach einigen Versuchen ist es uns tatsächlich gelungen die Pillen zu verabreichen. Wieder zurück, kurz die Ausreise für den 27.6. besprochen und die Papiere gecheckt. Natürlich kamen zwischenzeitlich Anrufe auf´s Tierschutzhandy….. Mittlerweile nach 18 Uhr machten wir uns frisch, um selbst noch was zu essen. Im Restaurant angekommen fragte uns der Besitzer um Rat, für seinen eigenen Hund. Er würde humpeln… Wir rieten ihn zum Tierarzt zu fahren…. Auf dem Rückweg hielten wir noch kurz an und fütterten eine hungrige Katze. Jetzt ist es 21.15 Uhr und ich sitze am Laptop und lasse den Tag nochmal Revue passieren. Morgen ist ein neuer Tag…..

26.06.2020:
Heute, nach dem üblichen Morgenritual (Füttern, Gassi und Pens säubern), haben wir erst Roxy und dann Talula gebadet. Ari mußte auch nochmal mit Malasep shampooniert werden. Danach Sam bürsten, da er sehr dichtes Unterfell hat. Guy fuhr in der Zwischenzeit Filou und Alma abholen aus der Pflegestelle. In der Zeit erledigte Brigitte administrative Arbeiten und ich übte mit dem Welpen Kirpa an der Leine zu laufen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, klappte es ganz gut.
Als Alma und Filou eintrafen wurden sie auch sofort gebadet und Ohren wurden auch gereinigt. Die Fellnasen haben die ganze Behandlung gut über sich ergehen lassen…. Guy ist mit Alma noch ein paar Minuten in der Sonne spazieren gegangen, damit sie schneller trocknet und ich hab mir den hübschen Filou geschnappt. Nachdem er sein Geschäft erledigt hatte, saßen wir zusammen auf einer Steinbank und haben ausführlich gekuschelt. Mir hat es sehr gut gefallen und ich glaube Filou auch!
Dann wieder zurück, mußten wir ausprobieren welche Hunde kompatibel in den Pens sind. Gab aber keine Probleme und so konnten wir erstmal eine Pause machen.
Um 16 Uhr ist wieder Doggery angesagt. Das bedeutet Hunde füttern, Gassi gehen, Pens säubern.
Nach der Doggery haben wir nochmal die Ausreise der Tiere besprochen und den Transfer zum Flughafen. Alles muß sicher sein, damit es kein böses Erwachen gibt, z.B.: die Boxen passen alle nicht in die Autos, die Pflegestellen müßen informiert werden, welche Tiere ausreisen, damit es nicht zu Verwechslungen kommt usw…. und immer die Angst im Nacken…. hoffentlich storniert die Airline nicht den Flug! Es ist alles ziemlich nervenaufreibend und belastend, trotzdem müßen wir Ruhe bewahren, damit sich unsere Nervosität nicht auf die Fellnasen überträgt. Am 27.6. geht der nächste Flug nach Stuttgart. Um 4 Uhr in der Frühe werden die nächsten Fellnasen „verladen“ und zum Flughafen gebracht….. Wieder ein paar Hunde vorbereiten auf ein besseres Leben in Deutschland bei lieben Familien, die schon sehnsüchtig warten!

27.06.2020:
Heute um 4 Uhr wurden die Hunde zum Flughafen gebracht.
Für mich ging der Tag ab 7 Uhr los. Nach Fütterung der „Raubtiere“ und Gassi gehen, hab ich nochmal das Riesenbaby Sam, mit dem irren viel Unterfell, gebürstet. Dann noch ein bisschen mit dem Welpen Kirpa an der Leine laufen geübt und natürlich mit allen Hunden geschmust.
Danach noch den kleinen Zorbas gebadet, der morgen ausreisen darf. Zwischenzeitlich noch Fotos und Videos gemacht für die Adoptanten. Dann sind Brigitte und ich nochmal zu dem Stall gefahren, wo die 2 kleinen Kätzchen sind. Auch sie nochmal mit gekochtem Hühnchen und frischem Streu versorgt. Wieder zurück noch den weiteren Tag geplant…
Den Nachmittag verbrachten wir mit den üblichen Routinearbeiten und ohne besondere Vorkommnisse.

28.06.2020:
Heute geht’s los. Alle Fellnasen „verladen“ und ab ging es zum Flughafen. Dort ging alles recht gut über die Bühne. Als wir abends um 18.30 Uhr in Frankfurt landeten, wurden wir schon sehnsüchtig und gespannt von den Adoptanten erwartet. Mein Gefühl dabei kann ich gar nicht richtig beschreiben. Ich bin immer gerührt, freue mich sehr für die Fellnasen und ihre Familien, bin erleichtert, wenn alles gut geklappt hat und die Tiere wohlauf sind, und, und, und……

Die Tage dort auf Kreta waren für mich sehr schön und lehrreich. Die Arbeit ist anstrengend aber toll! Ich arbeite jetzt schon über 1 Jahr mit APAL zusammen und durfte in dieser Zeit wundervolle Tiere und Menschen kennenlernen.

Liebe Grüße
Marion Kostarellis